Wo fängt man eigentlich an?

Bevor es um Visa, Steuern oder Umzugskisten geht, steht eine Frage davor, und die wird am häufigsten übersprungen. Warum genau dieses Land, und für welches Leben?

Klingt banal, ist aber der Punkt, an dem die meisten später hängen bleiben. Wer einfach nur weg will, nimmt seinen Frust mit und sucht sich am neuen Ort das nächste Problem. Wer dagegen weiß, wie sein Alltag konkret aussehen soll, trifft auf einmal klare Entscheidungen, beim Land, beim Budget, bei der Reihenfolge.

Bei uns kam die Klarheit erst, als wir ehrlich beantwortet haben, wovon wir vor Ort leben, ob das Einkommen beim Umzug weiterläuft, und was die Kinder wirklich brauchen. Sprache, Klima und Nähe zur Familie kamen danach, nicht zuerst. Aus „irgendwann mal raus“ wurde so ein Plan mit Reihenfolge.

Wo stehst du gerade, noch bei der Wo-Frage oder schon beim Wie? Schreib ein paar Sätze drunter.

Meine erste Erfahrung in SA ergab sich durch einen Segeltörn entlang der Küste Venezuelas. Von Higuerote bis Puerto La Craz und Los Roques.Dort war es mir Strassenköter zu langweilig und ich liess mich nach Caracas fliegen. Meine neue Traumstadt.

Ohne Spanisch kaufte ich jeden Tag die diarios („Nacional“ und „Universal“) sowie ein diccionario von „Harper-Collins“) mit den Schuhputzern und Kelnern im"Gran Café" radebrechte ich täglich und die rot-beleuchteten Whiskerías verbesserten meine „lengua latina“ rasch.

Es folgten diverse Reisen in Venezuela und Cuba, meine deutschen Firmen liessen sich distant führen.

Letztlich fand ich in Buenos Aires die perfekte Stadt, ich hatte stets das Back-up durch den „Ibero-AmerikaVerein“ (heute LAV) in Hamburg, sehr empfehlenswert. Beratung durch Anwälte, Notare, Steuerberater. Da mir niemand ein Büro vermietete (sin Garantes) kaufte ich ein gut gelegenes zum Renovieren. Letztlich in D Verkauf meiner „Latifundien“ und Umzug nach Buenos Aires.

Planung, Orga-,Serienkündigungen, Umzug/Lagerung/Container und Abmeldung zog ich in kaum 2 Tagen durch. Als Unternehmer geht das.

Seither erfreut mich das hiesige Leben, ich vermiete Apartements (nur Langzeit/nur Argentinier) und gelegentlich handele ich mit Immobilien, baue und renoviere Bestand.

Ein kleines campo etwa eine Stunde entfernt fielmir günstig zu, das Rasenmähen tätigen die Rinder und Pferde meines Nachbarn.

Durch den frischen Wind der libertären Milei-LLA-Regierung und grosse Investoren sieht die Zukunft noch feiner aus, als je erwartet

Danke für den ausführlichen Einblick, Steven. Der Weg über Venezuela und Caracas ist eine ganz andere Geschichte als das, was man heute so liest.

Zwei Dinge daraus würden mich genauer interessieren.

Das mit den Garantes kenne ich bisher nur aus der Recherche. Du bist damals daran gescheitert und hast deshalb gekauft. Heute stehst du auf der anderen Seite und vermietest selbst. Wie läuft das aktuell für jemanden, der neu ankommt und keinen argentinischen Bürgen hat? Und warum vermietest du ausschließlich an Argentinier? Ich vermute, dahinter steckt eine Erfahrung, die für viele hier wichtig wäre.

Der Ibero-Amerika-Verein war mir so noch nicht bekannt. Wie lief das konkret, hast du dich dort als Mitglied beraten lassen oder war das eher eine Vermittlung an die richtigen Leute?

Beim Umzug in zwei Tagen bleibe ich mit offenem Mund zurück. Bei uns dauert allein der Hausverkauf länger, und mit zwei Kindern und Schule dranhängend rechne ich eher in Monaten. Aber gut zu wissen, dass es auch schnell geht, wenn nichts festhängt.

Heute ist das Mietrecht flexibler und es gibt auch „AirBnB“, daher dürfte es wenig Probleme geben.

Ich konnte in guter Lage (Recoleta) für 10.500 USD die erste Wohnung schnappen, Reno ca. 2.500.- dazu. Mein Geschäft ist developing und Bau-/Renovierung seit vielen Jahren.

Meine Verwaltung hier lasse ich Makler machen, auch den Bonitäts-check-up-; „recibo de sueldo“ und 2 „garantes“ (Einkommen oder Immo). 2 Jahre Vertragsdauer, die Meisten verlängern, da ich als „sozialer Vermieter“ keine Expensas verlange und meine Art der Mieteerführung hier sehr respektiert ist.

Eine homogene Mietstruktur verträgt keine „extranjeros“; dies gibt immer (auch als Mitarbeiter) Einfordern von Sonderstellungen, passt nicht.

Ich war mit meiner Firmengruppe FirmenMitglied im IAV, später nur Privatmitglied (300.- Euro/Jahr). Ich fuhr mit ihnen und BDI in der Deutschen Delegeation nach Caracas und stellte auf der Expo-Cuba in Havanna aus. Der Verein sandte mir auch Anwalts-/Notar-/Beraterliste für BsAs. Alle grossen deutschen Konzerne und Firmen sind dort Mitglied, man erhält monatlich aktuelle Analysen zu jedem SA-Land und auch „Kleinanzeigen“ können weiter führen.

Immo-VK in D ist rein vom Preis abhängig, der Markt fällt und kommt nicht wieder hoch.

Sicher war damals meine Durchsetzkraft auch in fremden Ländern massiv bis brutal, daher verkürzte ich die Abläufe.

Zum Start suchte ich eine Assistentin, die tri-lingual und hochintelligent war um meine schroffe Art abzupuffern. Mit ihr und der Nachfolgerin bin ich immer moch freundschaftlich verbunden.

ass´wissen, falls Du auch direkte Fragen hast, dann sende ich Dir mein WhatsApp. WA ist hier die fast ausschliessiche KommunikationsEbene, manchmal auch telegram. Im „rausabend.de“-Forum (skool) bin ich sonntags meist dabei, montags (15.00hs/20.00hsMEZ) auch im zoom ¨ber Argentinien mit Quentin (Cordoba) und einigen hier Interessierten